Urin-Test

Xanthinurie unter Allopurinol

Allopurinol, als leishmanistatisches Medikament bei Leishmaniose eingesetzt, hemmt reversibel das Schlüsselenzym Xanthinoxidase, und damit gleichzeitig den Purinabbau. Dabei entstehen vermehrt die Zwischenstufen Xanthin und Hypoxanthin. Je mehr Purin abgebaut wird, je mehr dieser Zwischenstufen entstehen. Normalerweise sind diese Zwischenstufen gut wasserlöslich und werden unerkannt mit dem Harn ausgeschwemmt.

Dabei ist Hypoxanthin im Harn relativ leicht, Xanthin dagegen etwas schwerer löslich. So kann es bei ungenügender Harndilution (Harnverdünnung) und hoher Purinzufuhr aus der Nahrung zu Xanthin-Kristallen kommen mit nachfolgend möglicher Steinbildung.

Um dem vorzubeugen, sollte unter Allopurinol die Flüssigkeitszufuhr erhöht und die Purinzufuhr (besonders aus bestimmten Fischsorten, Innereien und Tierhaut, Sojaprodukten und Hefe) in Abhängigkeit zur Kristallbildung begrenzt werden, ohne jedoch eine Proteinmangelernährung zu provozieren. Ein nicht zu saurer pH-Wert bei 6,5-7 erhöht die Löslichkeit.

Tests auf Kristalle im Urin

Die Kontrolle erfolgt über die Auswertung von kristallinem Harnsediment, pH-Wert und spezifischem Gewicht des Harns und über Ultraschall der Blase, Niere und der abführenden Harnwege. Wichtig zu wissen, dass sobald der Urin außerhalb des Körpers sich verändert und die Kristalle, die vorher gelöst waren, mit der Zeit ausfallen. So verändert sich während Transport und Lagerung, die Temperatur, der pH-Wert, das spezifische Gewicht und die kristalline Ausbildung. Daher sollte Urin immer relativ frisch untersucht werden.

So kann Xanthin im Urin in amorpher Form ausfallen und unter dem Mikroskop sichtbar werden, wobei Amoniumurate und amorphe Uratkristalle dabei den Xanthinkristallen ähneln. Es ist daher sinnvoll, für das Labor den Untersuchungsauftrag der Urinprobe mit dem Hinweis auf die Einnahme von Allopurinol zu versehen.

Vorsicht ist geboten, sobald im Harnsediment ein erhöhter Spiegel an Xanthinkristallen nachgewiesen wird (Nachweis reicht zumeist von + bis +++). Dabei ist das Auftreten von vereinzelten Kristallen (+) als relativ unbedenklich zu bewerten. Ein Anstieg sollte eng kontrolliert und mit vermehrter Flüssigkeitszufuhr und adäquaten diätetischen Maßnahmen beantwortet werden.

Da Xanthin eine gute Nierengängigkeit (renale Clearance) besitzt, betreffen die Nebenwirkungen fast ausschließlich die Blase und die ableitenden Harnwege (Harnleiter, Harnröhre). Bei langjährig hoher Einnahme von Allopurinol und einer möglich vorhandenen Prädisposition können in seltenen Fällen jedoch auch die Nieren durch Ablagerungen Schaden nehmen, was zu einer akuten Niereninsuffizienz führen kann.

Auflösung von Kristallen und Steinen

Solange nur Kristalle in der Blase gefunden werden, lösen diese sich meist innerhalb von ein paar Wochen auf, sobald diätetische Maßnahmen konsequent durchgeführt werden oder im Notfall falls möglich, die Zufuhr von Allopurinol herab gesetzt wird.
Für einmal entstandene Xanthin-Steine gibt es keine diätetische oder medikamentöse Möglichkeit der Auflösung mehr, sie müssen zumeist chirurgisch entfernt werden. Wobei Xanthinsteine röntgennegativ sind, sie können also nur im Ultraschall sichtbar gemacht werden.

Achtung:
Es gibt leider seltene Fälle, bei denen trotz negativem Nachweis von kristallinen Xanthinsediment in der Urinuntersuchung, dennoch inzwischen Kristallbildungen erfolgt sind, die sich erst im Ultraschall zeigen. Insofern wird bei längerer Gabe von Allopurinol neben den Urinanalysen eine jährliche Ultraschalluntersuchung zusätzlich angeraten.

Bildnachweis: Ewa Urban auf Pixabay

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