Purinarme Ernährung

Was sind Purine überhaupt?

Purine sind Bausteine der DNA und RNA, und damit wichtig für den Zellaufbau. Sie befinden sich hauptsächlich in tierischen Zellen, aber in meist geringerer Konzentration auch in pflanz­lichen Zellen. Für den Hund sind Purine nicht essenziell, bedeutet er muss sie nicht mit der Nahrung aufnehmen, da sein Körper sie selbst herstellt.
Durch die Gabe des leishmanistatischen Medikaments Allopurinol wird beim Hund nun der Abbau von Purin zu Harnsäure/Allantoin gehemmt. Dadurch entstehen vermehrt die Zwischen­stufen Xanthin und Hypoxanthin, welche zumeist über den Urin ausgeschieden werden, da sie wasserlöslich sind.

Während Hypoxanthin stark wasserlöslich ist, ist es Xanthin etwas weniger. So kann es bei übermäßigem Vorkommen und ungenügender Trink­menge dazu führen, dass nicht alle Xanthine mit dem Urin gut gelöst und ausgeschwemmt werden und sich dadurch Harnsediment in Form von Kristallen bildet.
Sobald diese Kristalle vermehrt auftreten, könnten sich aus ihnen Harnsteine (Xanthin Urate) bilden.

Prophylaxe

Trinkmenge erhöhen:
Tiere, die Medikamente bekommen, sollten generell genügend trinken. In diesem Fall ist es sogar die wichtigste Maßnahme gegen die Kristallbildung. Daher ist dafür zu sorgen, dass der Hund immer genügend trinkt und auch bei langen Spaziergängen, Autofahrten oder Spielen immer wieder mit Wasser versorgt wird. Dafür gibt es verschiedene Tricks, wie die Anreicherung z.B. mit Joghurt, Brühe oder Parmesankäse. Meist reicht es aber schon, weitere Trinknäpfe im und am Haus zu verteilen.

Weitere Vorbeugung:
Um einer bereits beginnenden Kristallbildung zu begegnen oder einfach auch nur um prophylaktisch tätig zu werden, kann man zusätzlich versuchen, die Menge an Purinen zu minimieren. Nun kann man den Körper des Hundes zwar nicht dazu bringen, keine Purine mehr zu produzieren, aber man kann zumindest die Zufuhr über die Nahrung reduzieren.

Lebensmittel mit hohem Puringehalt:
Besonders hohe Purinwerte findet man in der Haut und in allen Innereien wie Herz, Niere, Leber, Pansen, Lunge von Säugetieren und extrem in Fleischextrakt. Auch viele Fischsorten haben einen hohen Puringehalt.
Auch pflanzliche Lebensmittel enthalten zwar Purine, zumeist jedoch in deutlich geringerer Menge. Etwas höher liegen Hülsenfrüchte wie weiße Bohnen, Linsen, Kichererbsen, Erbsen und einige Getreidesorten.
Besonders zu nennen ist hier jedoch die Hefe (Bierhefe, Backhefe, Hefeextrakt z.B. in Brühwürfeln) mit 286 mg/100g, aber auch Sojaprodukte, die recht hohe Mengen enthalten.

Lebensmittel mit niedrigem Puringehalt:
Einen niedrigen Puringehalt weisen nun neben Obst, Gemüse, Kartoffeln und poliertem Reis auch besonders Eier auf und alle Milchprodukte wie Quark, Joghurt etc. die zumeist gar kein Purin enthalten.

Wie stark muss Purin reduziert werden?
Dafür gibt es keine feste Regel und ist ganz individuell anhand von Urinanalysen anzupassen. Einige Hunde brauchen überhaupt nicht purinarm ernährt zu werden, andere müssen strenge „Diät“ halten, da sie äußerst heftig Kristalle bilden.

Purin + Protein ist nicht dasselbe, Proteine sind lebenswichtig:
Die Purinmenge zu reduzieren darf nun aber nicht dazu führen, dass der Hund nicht mehr ausreichend Proteine erhält. Damit nun der Hund jedoch weiter mit den nötigen Eiweißen, wichtigen Aminosäuren und Vitaminen versorgt wird, achtet man darauf, dass er zwar gerin­gere Mengen an Fleisch und besonders an Innereien bekommt, dafür aber besonders hoch­wertige Eiweiße aus reinem Muskelfleisch, Milchprodukten und Eiern.

Häufige Fehler bei purinarmer Ernährung:
Leckerlis mit hohen Werten wie z.B. getrockneter Pansen (Innerei), getrocknete Schweine­ohren (Haut), Ochsenziemer (Haut), sogenannte Filetstreifen und Fleischstücke (extrem hoher Anteil an Purinen und bis zu 97% Protein, aufgrund des Trocknungsvorganges).
Auch enthalten viele Vitamin-Komplexe (besonders B-Vitamine) und andere Nahrungsergänzungen häufig Hefe.

 

Gibt es purinarmes Fertigfutter ?
Leider geben die Futtermittelhersteller zwar den Proteingehalt, aber nur die wenigsten auch den Puringehalt an. Hier muss man evtl. ein bisschen ausprobieren, was der Hund verträgt oder ob man mit purinarmen Lebensmitteln und Milchprodukten mischen muss. Es gibt inzwischen aber auch einige Hersteller, die keine Haut und kaum Innereien, dafür aber reines Muskelfleisch und weitere hochwertige Zutaten verarbeiten. Die Hochwertigkeit lässt sich schon daran erkennen, dass alle Zutaten offen und verständlich deklariert werden. Bei diesen Herstellern gibt es z.T. sogar analysierte Purinwerte oder man kann diese aufgrund der Zutaten selbst errechnen. Eine entsprechende Liste von mir zusammengetragener Futtersorten mit Angabe von Purinwerten finden Sie hier im Download:

http://leish.info/downloads/ernaehrung/

Aufgrund der Angabe kann man dann evtl. das Futter mit purinarmen Zutaten mischen, um auf den gewünschten Puringehalt zu kommen. Hierbei ist ein Gehalt von unter 35 mg/100g eigentlich immer ausreichend, aber wie gesagt, ist der Puringehalt individuell einzustellen.

 

Nahrung selbst zusammenstellen – aber wie ?
Wer nun statt Fertigfutter lieber selbst frisch das Futter für seinen Hund zusammenstellen möchte, hadert mit vielen Fragen.

Welche Menge an Futter braucht mein Hund?
Natürlich ist die Menge an Futter durchaus individuell zu betrachten, da jeder Hund einen anderen Stoffwechsel hat, genau wie wir Menschen auch. Speziell ist sie zusätzlich abhängig von Alter, geschlechtlicher Intaktheit, Agilität, Fellwechsel und Gesundheitszustand des Hundes. Die einmal errechnete Menge ist daher auch immer entsprechend einer möglichen Gewichts­veränderung ggfs. anzupassen.
Die generelle Empfehlung der täglichen Fütterungsmenge liegt bei 2 % bis 4 % des Körper­gewichtes.

Wieviel Protein (Eiweiß) braucht mein Hund?
Besonders Barfanhänger tendieren zu einem sehr hohen tierischen Anteil von 80%. Dies ist jedoch gerade bei einer Leishmaniose-Erkrankung nicht zu empfehlen, da die damit verbundene hohe Proteinzufuhr belastend auf die Nieren wirkt und viele Purine enthält.
Der Bedarf ist zuerst einmal abhängig davon, wie hoch die Verwertbarkeit und Verdau­lichkeit des Proteins ist. So ist tierisches Protein für den Hund wesentlich stärker verwertbar und auch leichter verdaulich als pflanzliches. Gute Eiweißträger sind: Muskelfleisch, Eier und Milchprodukte.
Bei der Berechnung der Proteinmenge empfehle ich daher die Vorgabe nach Meyer/Zentek mit 2-4 Gramm pro kg Körpergewicht.
Wobei bei Nierenerkrankungen (erhöhten Nierenwerten im Blut) der Proteinanteil besser nur 2 – 2,5 Gramm Protein pro kg Körpergewicht des Hundes pro Tag betragen sollte.

Wieviel Gramm Protein ist denn nun in den Lebensmitteln, z.B.?
100 g Fleisch                                              = ca. 20 g Protein
100 g Quark 20% , Hüttenkäse, Ei                = ca. 13 g Protein

 

Wie stellt man nun das Futter selbst zusammen?

aus Fleisch oder Fisch:
reines Muskelfleisch oder Gehacktes roh oder gegart (gegartes Fleisch ist leichter verdaulich und wird bei LM oft besser vertragen), z.B. von Rind, Huhn, Pute, Ente, Kaninchen, oder bei Allergikern von Pferd, Känguru, Strauß, wobei diese mehr Purin enthalten als normale Fleischsorten. Bei Fischmahlzeiten eignet sich z.B. Kabeljau.

aus Milchprodukten:
z.B. Quark, Hüttenkäse, Joghurt, Frischkäse, Hartkäse etc. von der Kuh, oder bei Allergikern von der Ziege oder vom Schaf (enthalten auch Laktose).

aus nur sehr kleinen Mengen an Innereien:
roh oder gegart z.B. Herz, Pansen, Leber

aus Eiern:
entweder roh nur das Eigelb, oder das ganze Ei gekocht, gebraten oder auch als Rührei

aus Kohlenhydraten:
immer gut gar gekocht z.B. Parboiled Reis, Basmati- oder Jasminreis (Vollkornreis hat einen höheren Purinanteil), Kartoffeln, Süßkartoffeln, Nudeln, Gries, Polenta. Das Kochwasser von Kartoffel ist zu entsorgen.

aus Gemüse:
gegart oder klein geraspelt z.B. Salatgurke, Kürbis, Endivie, Möhren, Zucchini, Kohlrabi, Brokkoli, grüne Bohnen. Auch Gefriergemüse darf natürlich verwendet werden.  Stark oxalsäurehaltige Gemüse wie z.B. Rote Beete, Spinat, Amaranth, Quinoa können die Kristall­bildung anregen und sollten daher gemieden bzw. nur in ganz kleinen Mengen verzehrt werden.

aus Obst:
z.B. Äpfel, Birnen, Bananen, rote Beeren, Melone, Stachelbeere, Kirsche etc.

wichtig: Calcium-Phosphor-Ausgleich (1,2 : 1) beachten:
Eierschalenpulver (wenn keine rohen Knochen gefüttert werden)

etwas Öl:
mit hohem Anteil an Omega3-Fettsäuren (entzündungshemmend) und Gammalinolensäure wie z.B. Lachs-, Lein­samen-, Hanföl oder Borretschöl, als Zellschutz, gegen Hautschuppen und schlechtes Fell, aber auch um die fettlöslichen Vitamine A, D, E, K zugänglich zu machen.

als Ballaststoff:
zusätzlich zu den bereits enthaltenen Rohfasern in Gemüse und Obst kann man für eine bessere Verdauung z.B. noch etwas Samen (z.B. Leinsamen, Flohsamen, Chia-Samen), Nüsse (Walnüsse, Haselnüsse, Erdnüsse, Paranüsse), oder Kokosraspeln oder Enzym-Ferment-Getreide beifügen.

etwas Fett:
als Energiequelle bei recht magerem Fleisch z.B. Butter, Schweineschmalz, Kokosfett, Gänseschmalz (max. 5% der Nahrung), entsprechend des Gewichtsverlaufs.

weitere mögliche Zusätze:
Frische Kräuter, Algen, 1 – 2 mal wöchentlich Lebertran (Vitamine A,D,E – besonders wenn keine oder nur wenig Innereien gefüttert werden), Honig, Hagebuttenpulver wenn Urin angesäuert werden soll, 1 Prise Himalaya-Salz zum Calcium-Einbau

Nahrungsergänzungsmittel ohne Hefe:
PerNaturam Komplement Sensitive (ohne Blütenpollen + Hefe)

Zusammenstellung der Ration:
Eine bewährte prozentuale Zusammenstellung der Futterkomponenten sieht z.B. so aus:

40,0% Fleischanteil
5,0% Milchprodukte
2,0% Innereien
4,0% Eier
20,0% Kohlenhydrate
20,0% Gemüse
9,0% Obst
100,0% Gesamt  

Wobei dies eine Basisberechnung darstellt, welche je nach Entwicklung von Gewicht, Verträg­lichkeit und den zukünftigen Harnanalysen in Bezug auf pH-Wert und Kristallbildung anzupassen ist.

Ein Beispielrezept für Ihren Hund und sein Gewicht (Purinanteil ca. 32 mg/100g der Originalsubstanz) kann angefordert werden oder schauen Sie sich die Rezeptvorschläge als pdf an.

Wichtig :

anzuratende Kontrollen: 

pH-Wert des Urins kontrollieren:
Ein idealer pH-Wert beim Hund während der Einnahme von Allopurinol liegt bei 6,5 – 7.

Ist er höher als 7 kann das die Bildung von Struvit-Steinen oder auch Blasenentzündungen fördern. Ist er niedriger als 6 lösen sich Xanthin-Kristalle schlechter auf. Da der pH-Wert vom Urin durch Lagerung steigt, kann es sein, dass im Labor inzwischen höhere Werte gemessen werden, als der Urin im frischen Zustand hatte. Daher empfiehlt es sich, in Abständen dies mit der „Schöpflöffel-Technik“ und mithilfe von Urin-Teststreifen selbst zu prüfen.

Dabei können natürlich auch gleich andere Parameter getestet werden, die alle negativ anzeigen müssen, also mit dem linken Vorgabe-Streifen farblich übereinstimmen sollten. Zu der Auswertung der Urin-Teststreifen finden Sie hier mehr Erklärungen.

Urinanalysen im Labor:
Trotz der Kontrollen mit Urin-Teststreifen, muss der Urin zusätzlich in regelmäßigen Abständen auf Sediment im Labor untersucht werden, da nur dort auf Kristalle untersucht werden kann. Wobei es hilfreich ist, wenn dem Labor auf dem Untersuchungsauftrag dabei schriftlich der Hinweis auf die Einnahme von Allopurinol gegeben wird.

Im Nachweis des Harnsediments findet sich dann die Angabe der Kristalle, so können Xanthin-Kristalle mit einer Mengenangabe wie z.B. von + bis +++ oder auch mit vereinzelt bis massenhaft im Urin gefunden werden. Bei der Angabe ist immer zu bedenken, dass Kristalle bei längerer Aufbewahrung und Kälte außerhalb des Körpers ausfallen und damit vermehrt auftreten. Daher sollte das Harnsediment am besten innerhalb von 2 Stunden bestimmt werden, was natürlich nur möglich wäre, wenn die Tierklinik diese Kristallbestimmung selbst machen kann. Wenn es erst in ein Labor geschickt werden muss, was der Normalfall ist, müssen die Werte eben unter Berücksichtigung der Aufbewahrungs- und Transportzeiten beurteilt werden. In diesen Fällen den Urin am besten erst kurz bevor der Kurierdienst die Proben beim TA abholt, auffangen und abgeben.

Ultraschall-Untersuchung der Blase und Niere:
Da es leider selten vorkommen kann, dass sich besonders bei Rüden, ohne Nachweis von Kristallen direkt unbemerkt Steine bilden können, auch im Nierenbecken, sollte bei Langzeitgabe von Allopurinol mindestens einmal jährlich auch eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt werden. Zu bedenken dabei ist, dass Xanthinkristalle/-steine, wie einige andere Steinarten auch, röntgennegativ sind, und daher nicht von Röntgenstrahlen sondern nur unter Ultraschall sichtbar werden.

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Bildnachweis:  MarianneBirkholz, Hundefutter, CC BY-SA 3.0

13 Kommentare

  1. Liebe Frau Henning. Ich bin von ihrem Block total begeistert 😊 danke das diesen gibt. Nun zu meiner Frage Marley ist 6 Jahre alt und leidet durch die im sehr an offenen Ohren, so richtig innen so wie außen, es sind richtig offene fleischwunden meine Tierärztin weiß auch nicht weiter. Wenn ich aufzählen müsste was schon alles gemacht und probiert wurde wäre ich morgen noch hier ,einmal hatten wir Erfolg mit milteforan seine öhrchen hielten ab. Nach 6 Monaten aber wieder ein Rückschlag eine weitere therapy mit milte blieb erfolglos. Ich bete zum lieben Gott das das Medikament aus dem Kongo für uns erreichbar wird. Mein armer Hund es tut so weh so hilflos zu sein. Die ernährungsvorschläge finde ich toll bislang gab ich Marley Hähnchenbrust Streifen im Glauben das er das haben darf nun bin ich klüger und mache es im Ofen wenn es dort lange genug trocknet weiß ich wenigstens was drinn ist. Marley wiegt 21 Kilo und dürfte somit circa 50 Gramm an pourinen täglich ich bin noch etwas durcheinander wie ich was dann mischen muss. Ich füttere Trockenfutter vom Tierarzt ( leishmaniose Futter, Möhren Kartoffeln Quark, er liebt Quark Eier habe ich noch nie gegeben und wenn dann nur das gekochte Eigelb, das wurde mir in einem Forum vorgeschlagen, ich würde mich freuen wenn sie mich ein paar Vorschläge für uns hätten vielleicht heilen seine Ohren ja dann wieder ein wenig besser. Lg uschi mit marley

    1. Liebe Uschi,
      hier kann ich konkretes zu Marley natürlich nicht sagen, da Beratung immer sehr individuell anhand von Laboranalysen, Symptomen und Befinden des Hundes erfolgen muss. Bitte nehmen Sie doch direkt über meine Mail-Adresse Kontakt zu mir auf, dann können wir das gezielt besprechen.
      Generell lässt sich sagen, dass Milteforan nicht bei jedem Fall ausreichend und nachhaltig hilft, und leider meist bei weiteren Therapien die Wirkung abnimmt.
      LG Angelika

  2. Ich habe seit kurzem eine Dalmatiner-Mix Hündin, die leidergottes Leishmaniose hat. Was kann man denn so einem Hund an Leckerchen geben? Die meisten Kauknochen ect. fallen wegen den Purinen ja schonmal weg…

    1. Hallo Petra, leider sind ja gerade Dalmatiner auch oft schon ohne dass sie mit Allopurinol behandelt werden, prädisponiert auf Kristall-Bildung. Von QChefs gibt es sehr viele verschiedene Leckereien, die die Proteine ausschließlich aus Molkereiprodukten beziehen und daher purinarm sind. Und bei Fressnapf gibt es zum Knabbern friGera Yak Käse Snacks. LG Angelika

  3. Liebe Angelika,
    vielleicht haben Sie einen Tipp für uns: Unser 2,5-jähriger Rüde hat – ohne Änderung in der Ernährung – unter Allopurinol-Gabe plötzlich seit 2 Wochen einen PH-Wert von 5, zuvor (etwa 1,5 Jahre) immer zwischen 6,5 und 7. Er bekommt seit Juli 2018 Allopurinol, zunächst 2 x 200 mg tgl. (20 kg), seit Sept. 2019 ausschleichend 2 x 150 mg. Sein Titer ist seit August negativ, er hat keinerlei Symptome, alle Werte gut, keine Kristallbildung im Urin. Er bekommt Hälfte Trockenfutter (Meradog Truthahn/Kartoffel), Hälfte selbstgekocht (45% Fleisch/Fisch, 9% Quark, 18 % Reis, 28% Gemüse/Obst + Leinöl + 2 Eier/Woche) ergänzt mit Vitamin Optimix (Futtermedicus), Dezidum Dog, Mineralisches Basenpulver (PerNaturam), beides natürlich auf sein Gewicht berechnet, als Lernleckerli Käsewürfel, ein bisschen Fleischwurst. Was könnte die Ursache für den sauren PH-Wert sein? Können wir bedenkenlos das Dezidum erhöhen, um den PH-Wert basischer zu bekommen? Vielen Dank schon jetzt für eine kurze Rückmeldung!
    Besten Gruß, Britta

    1. Liebe Britta,
      ich bin beruhigt, dass der Titer bereits negativ ist, dann steht ja auch einem baldigen Absetzen vom Allopurinol nichts mehr im Weg. Dann wäre ja auch der pH-Wert relativ egal, solange er nicht über 7 kommt, und das Futter muss nicht mehr purinarm sein.
      Warum aber der pH-Wert sich so geändert hat, obwohl nichts geändert wurde, ist mir nicht erklärlich. Auch die Zusammensetzung des Selbstgekochten mit 45% Fleisch + 9% Quark als tierische Proteinzufuhr ist eigentlich ok. Vielleicht hat doch noch jemand, ohne dass Sie es mitbekommen haben mehr oder andere Leckerlies gegeben (ich erwähne das aus Erfahrung!). Falls Ihnen jemand einfällt, ruhig mal deutlich nachhaken. Falls sich da keine Erklärung findet, würde ich es mal mit mehr Kartoffeln und Banane versuchen, die auch basisch wirken.
      LG Angelika

    1. Manche Purinwerte findet man einfach schon deshalb nicht, weil Menschen dies nicht verzehren. Alle Purin- bzw. Harnsäurewerte werden ja immer nur bei Lebensmitteln ermittelt. Soweit mir aber bekannt ist, haben Knochen keine Purine. Aber das Knochenmark darin, hat relative hohe Purinwerte von bis zu 100mg/100g.
      Knochen werden ja dann verfüttert, wenn man dadurch Calcium dem Futter zufügen will. Allerdings haben Knochen eben auch sehr hohe Phoaphatwerte, was evtl. nicht gewollt ist, z.B. bei angegriffenen Nieren. Hier eignet sich dann als Naturprodukt eher Eierschalenpulver.
      LG Angelika

  4. Hallo Angelika,
    vielen Dank für deine ausführliche Erklärung. Ich hatte nur immer gedacht, je mehr Purinen den Leishmanien zur Verfügung stehen (körpereigenen Purine und „zugefütterte“ Purine) um so stärker auch die Vermehrung. Dann habe ich mal wieder dazu gelernt 😉 . Ich hatte meine Galga, als sie kein Allopurinol bekam, weiterhin purinarm ernährt.
    Vielen Dank dafür
    VLG
    Elke

  5. Hallo, ich lese immer wieder auch von Fachleuten, dass selbst ein Hund, der kein Allo bekommt, purinarm ernährt werden sollte, da „Leishmanien benötigen zu ihrer Fortpflanzung sowie Entwicklung die Purine ihres Wirtsorganismus, da sie selber keine Purine herstellen können.“ Damit würde die Erregerlast reduziert werden. Was ist davon zu halten? Vielen Dank.

    1. Hallo Petra, ich kenne keine Fachleute, die das behaupten. Wäre mal interessant zu erfahren, wer sich da als Fachmann ausgibt. Man kann Leishmanien die Purine mit einer purinarmen Ernährung nicht entziehen, da der Hund diese ja auch selbst bildet. Die Verabreichung von Allopurinol entzieht den Leishmanien ja nicht die Purine, sondern bietet ihnen nun stattdessen ein für sie schädliches Analog an. Beim Einbau in die Zellteilung wird dadurch eben die Vermehrung der Erreger gehemmt. Die purinarme Ernährung des Hundes während der Verabreichung von Allopurinol dient eben nur der Vermeidung von Xanthinkristallen, da Allopurinol durch die Hemmung der Xanthinoxidase den Abbau von Purin zu Harnsäure behindert. LG Angelika

      1. Aber wäre es nicht sinnvoll einen Leishmaniose Hund, der aber aufgrund einer noch nicht ausgebrochenen Leishmaniose noch keine Medikamente erhält, auch bereits purinarm zu ernähren. Das ich den Leishmanien die Purine nicht entziehen kann, versteht sich von selbst. Aber ich muss doch die vorhandenen Leishmanien nicht noch „füttern“, oder?
        VLG
        Elke

      2. Liebe Elke,
        dieser Irrglaube taucht immer mal wieder auf und wird neuerdings auch noch geschürt durch Internetseiten, auf denen mehr oder minder purinarmes Futter für Hunde angeboten wird, um es einfach jedem Hundehalter auch ohne die Notwendigkeit dieser Fütterung dennoch nahe zu legen. Warum diese es schreiben, kann man sich ja leicht ausrechnen (sogar in EURO).
        Richtig ist, dass Leishmanien Purine nicht selbst produzieren können und diese aber benötigen für ihre Zellteilung. Daher bedienen sie sich an ihren Wirten, eben z.B. dem Hund. Dieser produziert selbst genug Purine, so dass Leishmanien diese nutzen können und ihre Zellteilung/Vermehrung voran treiben können. Wenn man den Hund zusätzlich purinarm ernährt, hemmt oder stoppt man diesen Vorgang dadurch nicht, denn sie finden genug Wirtspurine. Wäre ja toll gewesen, und wenn das so wäre, dann würde das sicher auch in der Fachliteratur erwähnt und empfohlen. Ist es aber nicht.
        Woher kommt denn nun die Empfehlung, den Hund unter bestimmten Voraussetzungen purinarm zu ernähren? Das liegt nur daran, dass bei der Verabreichung von Allopurinol das Schlüsselenzym Xanthinoxidase gehemmt wird, welches für den Purinabbau nötig ist. Dadurch kann es dazu kommen, dass die nicht in Harnsäure umgewandelten Xanthine sich im Harn nicht genügend lösen und sich zu Kristallen formen. Bei einem Hund tritt es stark auf, beim anderen nur moderat, beim nächsten gar nicht. Soweit es beim Hund auftritt, oder eben schon prophylaktisch, versucht man daher, die Purinzufuhr über die Nahrung zu reduzieren, um diese Kristallbildung zusammen mit anderen Maßnahmen wie hohe Feuchtigkeitszufuhr etc. so gering wie möglich zu halten. Das ist der einzige Grund, die Purine in der Nahrung niedrig zu halten.
        LG Angelika

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