Resistenzbildung Allopurinol

Allopurinol ist das am häufigsten verwendete Medikament zur Bekämpfung der caninen Leishmaniose, allein oder in Kombination mit anderen Medikamenten. Eine Resistenz von Leishmania-Stämmen bei Hunden gegenüber Allopurinol wurde bisher nicht näher untersucht, noch waren Resistenzen bekannt oder erwartet.

Doch nach mehrfachen Beobachtungen von Rückfällen bei Hunden unter Allopurinol testeten einige Wissenschaftler Anfang 2016 die Anfälligkeit für Allopurinol, isoliert aus Vorbehandlungsgruppen von Hunden mit Remissionen [1]. So wurden Promastigot-Isolate von 4 vorbehandelten rückfälligen Hunden (GruppeA) entnommen und verglichen mit 10 Hunden vor der Behandlung mit Allopurinol (GruppeB) und 5 vorbehandelten Hunden in Remission (GruppeC).

Die aus diesen Isolaten gewonnenen Amastigoten zeigten in-vitro eine deutlich höhere Sensitivität auf Allopurinol bei den nicht zuvor behandelten Hunden (GruppeB) gegenüber den bereits behandelten Hunden, wobei die rückfälligen Hunde (GruppeA) die niedrigste Sensitivität auch gegenüber den behandelten Hunden in Remission (GruppeC) zeigten.

Dies war die erste Studie, die die Allopurinol-Resistenz in L. infantum demonstriert und sie mit Rückfällen der Erkrankung beim Hund in Verbindung bringt. Die Forscher bezeichnen diese Ergebnisse als besorgniserregend, da Allopurinol das Hauptarzneimittel ist, das für die langfristige Kontrolle der Krankheit bei Hunden verwendet wird.

Eine weitere Studie [2]  in September 2017 versuchte nun zu erforschen, ob Resistenz in anfälligen Parasitenstämmen, die von kranken Hunden isoliert wurden, induziert werden kann, indem sie unter Laborbedingungen in steigender Allopurinol-Konzentrationen wachsen. Die Veränderungen der Allopurinol-Empfindlichkeit wurden gemessen und der Einfluss des Arzneimittels auf das Wachstum der Parasiten wurde über 23 Wochen beobachtet. Zu bemerken dabei war, dass dadurch Parasiten erzeugt wurden, die 20-fach weniger anfällig für das Medikament waren. Das Muster der Veränderung der Arzneimittelempfindlichkeit legt nahe, dass eine genetische Veränderung für die erhöhte Resistenz verantwortlich ist, die wahrscheinlich die Bildung von Resistenz bei Hunden nachahmt.

 

Sicherlich muss in der Zukunft davon Abstand genommen werden, dass Allopurinol als Dauertherapie bei caniner Leishmaniose angesehen wird. Mit dem lapidaren Satz: „… dann bekommt der Hund ein Leben lang eine Tablette und kann gut damit leben.“ ist es eben nicht getan. Sondern es bedarf einer eindeutigen diagnostische Betrachtung und effektiver rechtzeitiger Behandlung zur Erlangung einer klinischen Heilung (Elektrophorese und Blutbild in der Norm, Titer gesunken). Nur dann kann nach angemessener Nachlaufzeit das Allopurinol ausgeschlichen werden, damit es bei evtl. Rezidiven oder Reinfektionen erneut und mit entsprechender Wirkung Anwendung finden kann.

Viele Betroffene fürchten sich vor dem Ausschleichen des Medikaments, weil sie einen Rückfall befürchten. Doch die neuesten Studien geben Anlass, auch das Risiko einer Resistenzbildung bei Dauergabe nicht zu unterschätzen.

 


[1] Daniel Yasur-Landau, Charles L. Jaffe, Lior David, Gad Baneth; Allopurinol Resistance in Leishmania infantum from Dogs with Disease Relapse.; PLoS Negl Trop Dis. 2016 Jan; 10(1): e0004341

[2] Daniel Yasur-Landau, Charles L. Jaffe, Adi Doron-Faigenboim, Lior David, Gad Baneth; Induction of allopurinol resistance in Leishmania infantum isolated from dogs; September 11, 2017, PloS Neglected Tropecal Diseases; 2017 Sep 11;11(9):e0005910. doi: 10.1371/journal.pntd.0005910. eCollection 2017

Bildnachweis: Zephyris, LeishmaniaMexicana Amastigote SEM, CC BY-SA 3.0 

2 Kommentare

  1. HALLO ANGELIKA, MEINE 6 JÄHRIGE GALGA, DIE MITTE NOVEMBER 1 JAHR BEI UNS LEBT, BEKOMMT SEIT CA. 1,5 JAHREN ALLOPURINOL. SIE WURDE BEIM EINTREFFEN IN DEUTSCHLAND AUCH MIT MILTEFOSINA 25mg/20TABL. UND MOTILIUM 10mg/30ST BEHANDELT, DA SIE KURZ VOR AUSREISE EINEN „SCHUB“ MIT OFFENEN STELLEN AM OHR BEKAM, DER ALLERDINGS DURCH DIE BEHANDLUNG GLEICH WIEDER ABGEKLUNGEN IST. NACHDEM ICH MEIN „LEISHMANIOSE-STUDIUM“ ANHAND DEINES BUCHES GEMACHT HABE, ORDNE ICH SIE DEM STADIUM 2 ZU UND LASSE ALLE 3 MONATE IHRE WERTE BEI LABOKLIN KONTROLLIEREN. DIE WERTE HABEN SICH VERBESSERT UND SEHEN MITTLERWEILE (STAND OKT 2018) SEHR GUT AUS, KEINE KRISTALLE, LEBER UND NIEREN IN ORDNUNG UND DAS ALLGEMEINE WOHLBEFINDEN VON „CARLOTA“ LÄSST NICHTS ZU WÜNSCHEN ÜBRIG. TROTZDEM HAT SICH DER ELISA-WERT VON 4,84 AUF 5,97 LE VERSCHLECHTERT. DAS CRP LIEGT JEDOCH BEI 3.70mg/l < 15.0. WANN SOLL MAN ÜBER DAS ABSETZEN VON ALLOPURINOL NACHDENKEN BZW. KONKRET WERDEN? SCHÖNE GRÜSSE, KARIN

    1. Hallo Karin,
      generell ohne Ansehen des Hundes rät man dazu, sobald die Elektrophorese wieder in der Norm ist, noch mindestens 6 – 12 Monate weiter Allopurinol zu geben. Andererseits muss man alle Therapieempfehlungen immer genau auf den Einzelfall abstimmen, denn gerade bei Leishmaniose kann man nichts pauschalieren. Mir erscheint der ELISA-Wert noch sehr hoch mit 5,97 und daher möchte ich Dir gern anbieten, dass Du mich mal direkt anschreibst, und mir Deine Analysen alle schickst, dass ich Dir einen auf Deinen Hund und seinen Status zugeschnittenen Rat geben kann. Wenn Du magst gern auf mein Mail kontakt@leish.info .
      LG Angelika

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