Allopurinol und Nieren

Hat Allopurinol eine nierenschädigende Wirkung bei Hunden?

Allopurinol als leishmanistatisches Medikament ist eine der wichtigsten Basistherapien bei caniner Leishmaniose. Dennoch tauchen immer mal wieder Befürchtungen auf, dass die Verabreichung die Nieren von Hunden schädigen könnte.

Dies führt z.T. sogar dazu, dass nicht die nötige Dosierung verabreicht wird, oder bereits prophylaktisch zu Futtersorten gegriffen wird, die nur bei festgestellter Niereninsuffizienz gefüttert werden dürfen, da sie ansonsten zu unnötiger Mangelernährung führen könnten.

Doch das ist grundfalsch!

Nun was ist richtig?
Neben der bereits bekannten möglichen Bildung von Xanthinkristallen (siehe vorherige Posts), die sich durch entsprechende Maßnahmen verhindern lassen, habe ich keinerlei Studien gefunden, die eine nierenschädigende Wirkung auf Allopurinol bei HUNDEN belegen.

Stattdessen eine Studie, die Auswirkungen der Allopurinol-Behandlung auf chronische Nephritis bei Caniner Leishmaniose untersucht hat [1] mit einem sehr guten Ergebnis.

Dabei wurden 40 Hunde mit caniner Leishmaniose in 5 Gruppen aufgeteilt, wobei die Gruppe A keine Nierenprobleme aufwies, die Gruppe B wies eine Proteinurie auf und die Gruppe C zeigte Proteinurie und Azotämie.

Sie wurden jeweils über 6 Monate mit Allopurinol in der Dosierung 20mg/kg/Tag behandelt.

Die Tests führten zu sehr eindeutigen Ergebnissen:

Das Allopurinol verhinderte bei 11 von 12 asymptomatischen Hunden (Gruppe A) das Auftreten von Nierenproblemen. Bei Hunden mit bereits bestehender Proteinurie (Gruppe B+C) verhinderte es die Verschlechterung der GFR (glomerulären Filtrationsrate) und führte zu einer Verringerung der Proteinurie. Außerdem verbesserten sich bei allen behandelten Hunden die tubulointerstitiellen Schäden.

Bei den Hunden der Kontroll-Gruppen ohne Behandlung hingegen trat innerhalb des Untersuchungszeitraums bei 11 von 12 Hunden, die zu Beginn der Studie keinen Eiweißverlust über den Urin gezeigt hatten, Proteinurie auf. Zudem hatten sich die bereits bestehenden tubulointerstitiellen Läsionen weiter verschlechtert.

Die Autoren kamen zu dem Schluss, dass Allopurinol beim Hund wahrscheinlich nicht nephrotoxisch ist, also nicht nierenschädigend, zumindest nicht in der verwendeten Dosis. Und dass die Behandlung sogar in Fällen mit CNI Stadium II gerechtfertigt sei.

Sie vermuteten außerdem, dass einige Forscher, die das Herabsetzen der Dosierung von Allopurinol bei Nierenschädigungen vorschlagen, wahrscheinlich einfach die Ergebnisse aus der Humanmedizin auf Hunde übertrugen, da die Wirkung von Allopurinol auf vorbestehende Nierenprobleme bei caniner Leishmaniose bis dahin nicht bekannt war.

Zu erwähnen aus meiner Sicht ist jedoch noch, dass zum Ende des Versuchs Knochenmark PCR weiterhin positiv ausfielen und die Glomerulären- und tubulointerstitiellen Läsionen zum Ende des Versuchs in allen Gruppen gleich geblieben waren. Dies macht wieder deutlich, dass Allopurinol in Fällen von NI als alleinige Behandlung eben nicht ausreichend erscheint.


[1] Effects of Allopurinol Treatment on the Progression of Chronic Nephritis in Canine Leishmaniosis (Leishmania infantum); K. Plevraki, A.F. Koutinas, H. Kaldrymidou, N. Roumpies, L.G. Papazoglou, M.N. Saridomichelakis, I. Savvas, and L. Leondides; Clinic of Companion Animal Medicine, Veterinärmedizinische Fakultät der Aristoteles-Universität Thessaloniki, Griechenland; J Vet Intern Med 2006;20:228–233

Bildnachweis: Einlagerung Niere By Hellerhoff, GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), via wikicommons

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